Sicheres Live-Video-Streaming für Notfallleitstellen verstehen

In den oberen Stockwerken eines Gebäudes wütet ein Brand. Der Einsatzleiter befindet sich drei Kilometer entfernt in der Leitstelle. Noch bevor die erste Einsatzmannschaft am Einsatzort eintrifft, hat die Leitstelle dem Anrufer bereits eine Videoverbindung zugeschaltet. Innerhalb von Sekunden sieht die Leitstelle Live-Bilder aus dem Gebäude: wo das Feuer wütet, wie schnell es sich ausbreitet und wo sich Menschen befinden. Bis die Einsatzmannschaft eintrifft, hat der Einsatzleiter bereits einen Überblick darüber, was sie vor Ort erwartet.

Das macht sicheres Live-Videostreaming für Notrufzentralen möglich: kein Überwachungssystem, sondern eine operative Infrastruktur, die verändert, wie eine Leitstelle die Lage erfasst, koordiniert und reagiert.

incidentshare feature

 

Was ist IncidentShare für Leitstellen?

IncidentShare ist eine Plattform, die Echtzeitvideos aus verschiedenen Quellen – darunter Anrufer, die die 112 anrufen, Bodycams, Drohnen und in Fahrzeugen montierte Kameras – zu einem einzigen verschlüsselten Einsatzbild zusammenführt, auf das Disponenten und die Einsatzleitung zugreifen können.

Was es von einem generischen Videotool unterscheidet, ist die Kombination aus einsatzorientiertem Design, hochmoderner Verschlüsselung und der Aggregation verschiedener Quellen, die speziell für die Arbeitsabläufe von Rettungsdiensten entwickelt wurde.

Die Mitarbeiter in der Leitstelle erhalten Live-Bilder vom Einsatzort, sobald diese eintreffen. Das Videomaterial ist während der Übertragung gesichert und nur für autorisiertes Personal einsehbar.

Warum Leitstellen von der Integration von Live-Videos profitieren

Funkkommunikation beschreibt, was jemand sieht. Live-Video zeigt es. Dieser Unterschied ist in den ersten Minuten eines Vorfalls am entscheidendsten, wenn die Informationslücke zwischen Leitstelle und Einsatzort am größten ist und die getroffenen Entscheidungen die weitreichendsten Konsequenzen haben.


Die Feuerwehr des Großraums Kopenhagen (Hovedstadens Beredskab) nutzt IncidentShare seit 2010. Ihre Leitstelle integriert mehr als 20 Kameraquellen aus dem gesamten Einsatzgebiet. Während des Brandes im Børsen-Gebäude in Kopenhagen erhielten die Einsatzleiter Live-Videobilder aus der Luft und vom Boden aus, sodass sie die Ausbreitung des Feuers in dem historischen Gebäude in Echtzeit verfolgen und den Einsatz der Ressourcen entsprechend koordinieren konnten.

Die Vorteile von Live-Videos gehen über Großereignisse hinaus. Bei den meisten Einsätzen verringert der Blick auf den Einsatzort die Unsicherheit, die zu einem übermäßigen Einsatz von Ressourcen führt. Wenn ein Dispatcher sehen kann, was vor sich geht, entsendet er genau das, was die Situation tatsächlich erfordert – und nicht das, was die Beschreibung des schlimmsten Falls vermuten lässt.

Wie funktioniert IncidentShare in einer Leitstelle?

Sichere Videokommunikation für Notrufzentralen funktioniert durch die Weiterleitung verschlüsselter Videostreams von verschiedenen Endgeräten über eine zentrale Plattform, wo autorisierte Mitarbeiter diese in Echtzeit einsehen können. Die Verschlüsselung erfolgt durchgängig: Das Video ist vom Zeitpunkt der Aufnahme bis zur Anzeige auf dem Bildschirm der Leitstelle gesichert.
Ein Anrufer teilt Live-Videos von seinem Smartphone, indem er einen Videolink erhält, darauf tippt und der Freigabe seiner Kamera zustimmt. Es ist kein App-Download erforderlich, und das Video erreicht den Disponenten innerhalb von Sekunden. Bodycam-, Fahrzeug- und Drohnenbilder werden über dieselbe Plattform integriert, sodass die Mitarbeiter einen konsolidierten Überblick über alle aktiven Quellen erhalten, ohne zwischen Systemen wechseln zu müssen.

Bei fachärztlicher Beratung verläuft der Ablauf umgekehrt: Ein Rettungssanitäter ruft den Arzt zunächst über eine normale Telefonleitung an und sendet dann einen VideoLink aus IncidentShare heraus, damit der Arzt sehen kann, was der Rettungssanitäter beschrieben hat. Der Zugriff erfolgt durchgehend rollenbasiert, und jede Sitzung wird protokolliert, was Prüfpfade und die Nachbesprechung unterstützt.

Derselbe Arbeitsablauf setzt sich nahtlos fort, sobald das erste Video des Anrufers bereits eingeht. Benötigt der Einsatzleiter mehr als nur die Perspektive des Anrufers – beispielsweise einen Korridor, einen Fahrzeuginnenraum oder einen bestimmten Blickwinkel auf einen Brand –, kann er als nächsten Schritt eine Drohne zum selben Ort entsenden, ohne dass dies einen separaten Vorgang darstellt. Die Live-Übertragung der Drohne wird in derselben Einsatzansicht angezeigt wie das Video des Anrufers, sodass der Einsatzleiter beides gleichzeitig sieht: ein Bild aus Bodennähe und eine Übersicht aus der Vogelperspektive derselben Szene. So entsteht bereits vor dem Eintreffen der Einsatzkräfte ein umfassendes Bild der Lage aus der Vogelperspektive.

Was ist „Drone as a First Responder“ (DFR) und wie fügt sich dies in diesen Arbeitsablauf ein?

„Drone as a First Responder“ (DFR) ist die Bezeichnung, die zunehmend für diesen Schritt verwendet wird: das Entsenden einer Drohne unmittelbar nach Bestätigung eines Notrufs, anstatt sie später als spezialisierte Ressource anzufordern. Für eine Leitstelle, die bereits auf IncidentShare aufbaut, ist DFR weniger ein separates Programm, das nachträglich integriert wird, als vielmehr eine Fortsetzung des bereits bestehenden Ablaufs: zuerst das Video des Anrufers, dann wird eine Drohne zu denselben Koordinaten geschickt, um sich aus der Luft einen Überblick über die Lage zu verschaffen.

Praktisch bedeutet dies, dass der Einsatzleiter nie zwischen der Sicht des Anrufers und der Luftaufnahme wählen muss. Beide Bildströme befinden sich auf derselben verschlüsselten Plattform, zusammen mit allen bereits am Einsatzort aktiven Bodycams oder Fahrzeugkameras, sodass das Bild, das sich der Einsatzleiter zusammenstellt, vielschichtig und nicht fragmentiert ist: Was der Anrufer am Boden sieht und was die Drohne über den gesamten Einsatzort hinweg erfasst, wird gemeinsam ausgewertet, anstatt zwischen den beiden Ansichten hin- und herzuwechseln.

Was versteht man unter behördenübergreifender Koordination durch Videointegration in der Leitstelle?

Behördenübergreifende Koordination durch Videointegration in der Leitstelle bedeutet, dass verschiedene Einsatzdienste – Feuerwehr, Rettungsdienst, Polizei und Spezialeinheiten – auf der Grundlage eines gemeinsamen Lagebildes arbeiten, anstatt separate Lagebeurteilungen anhand von Funkmeldungen zu erstellen.

Wenn bei einem Brand in einem Chemiewerk mehrere Einsatzkräfte beteiligt sind, benötigt der Einsatzleiter ein gemeinsames Lagebild. Ein Drohnenvideo der Feuerwehr kann gleichzeitig an die Rettungsleitstelle, die Gefahrguteinheiten und die Polizeikoordination weitergeleitet werden. Jede Einsatzkraft sieht dasselbe Video. Entscheidungen werden auf einer gemeinsamen Grundlage getroffen, anstatt auf der Grundlage von vier unterschiedlichen mentalen Modellen derselben Szene.

Dies ist der Wandel, den Live-Videos auf der Koordinationsebene ermöglichen: Sie verwandeln den behördenübergreifenden Einsatz von parallelen Operationen mit getrennten Informationsketten in ein wirklich gemeinsames Lagebild.

Welche Sicherheitsanforderungen gelten für Videokommunikationssysteme in der Notrufzentrale?

 

Videosysteme für die Notrufzentrale benötigen eine End-to-End-Verschlüsselung, eine rollenbasierte Zugriffskontrolle, die Einhaltung nationaler Datenschutzvorschriften sowie eine Infrastruktur, die sensible Einsatzbilder innerhalb definierter Grenzen hält. Für europäische Dienste bedeutet dies die Einhaltung der DSGVO und in der Praxis eine Bevorzugung der Datenspeicherung innerhalb der EU.

IncidentShare ist nach ISO 27001 zertifiziert, dem internationalen Standard für Informationssicherheitsmanagement. Videositzungen sind durchgehend verschlüsselt, der Zugriff wird je nach Rolle des Bedieners gesteuert, und die Plattform ist so konzipiert, dass sie die Anforderungen an den Umgang mit Daten von Organisationen der öffentlichen Sicherheit erfüllt. Dies ist besonders wichtig für den behördenübergreifenden Einsatz, bei dem das Bildmaterial Informationen enthalten kann, die für polizeiliche Ermittlungen relevant sind, oder Patientendaten, die den Vorschriften im Gesundheitswesen unterliegen (siehe die Support-Dokumentation von Bliksund für aktuelle Details zur Compliance).

Sicherheitsanforderungen gehören bei der Beschaffung als Kernfunktionalität mit einbezogen zu werden und dürfen nicht nur als nebensächlicher Punkt abgehakt werden. Ein Videosystem, das Compliance-Risiken birgt, ist betrieblich nicht tragfähig, unabhängig davon, welche weiteren Funktionen es bietet.

Wie Vestre Viken Live-Videos nutzt, um klinische Entscheidungen zu beeinflussen

 

Die Auswirkungen von Live-Video reichen über den Feuerwehr- und Rettungsdienst hinaus bis in die präklinische Notfallversorgung. Vestre Viken, der 500.000 Menschen in 22 Gemeinden in Norwegen versorgt, hat die VideoLink-Funktion von IncidentShare in seinen Rettungsdienst integriert, um Live-Videokonsultationen zwischen Rettungssanitätern und Fachärzten zu ermöglichen.

Die Ergebnisse waren messbar. In den ersten neun Monaten der Nutzung stellte Vestre Viken fest, dass Live-Video in fast der Hälfte der Fälle, in denen es zum Einsatz kam, die klinische Beurteilung veränderte und in fast 30 Prozent der Fälle zu einer Änderung der Behandlung führte. Die Rettungssanitäter konnten dem Arzt zeigen, was sie vor Ort sahen. Die Ärzte konnten Entscheidungen auf der Grundlage visueller Beweise treffen und mussten sich nicht auf eine mündliche Beschreibung verlassen, die aus einem fahrenden Rettungswagen übermittelt wurde.

Das ist es, was Live-Videos auf klinischer Ebene ermöglichen: nicht nur ein Bild, sondern eine Entscheidung, die auf der Grundlage besserer Informationen getroffen wird.

Wichtige Erkenntnisse

  • Sicheres Live-Video-Streaming für Notrufzentralen bündelt verschlüsselte Übertragungen von Anrufern, Bodycams, Drohnen und Fahrzeugkameras zu einem einheitlichen Lagebild.
  • Durch die Integration mehrerer Quellen müssen die Einsatzkräfte nicht mehr zwischen verschiedenen Systemen wechseln, und die Einsatzleitung erhält einen konsolidierten Überblick.
  • „Drone as a First Responder“ (DFR) erweitert diesen Arbeitsablauf noch um einen Schritt: Sobald das Video eines Anrufers eingeht, kann der Einsatzleiter eine Drohne zum selben Einsatzort entsenden, um eine Ansicht aus der Vogelperspektive zu erhalten, die zusammen mit dem Feed des Anrufers ein umfassendes Verständnis des Vorfalls aus einen Gesamtüberblick über den Vorfall.
  • End-to-End-Verschlüsselung, rollenbasierter Zugriff und die Zertifizierung nach ISO 27001 sind die grundlegenden Sicherheitsanforderungen für jedes System, das Einsatzvideos im Notfall verarbeitet.
  • Live-Videos beeinflussen Entscheidungen: Bei Vestre Viken veränderten sie in fast der Hälfte der Fälle die klinische Beurteilung und in fast 30 Prozent der Fälle die Behandlung.
  • Die behördenübergreifende Koordination ist am effektivsten, wenn alle Dienste eine gemeinsame Videoplattform nutzen, anstatt separate Informationsketten zu betreiben.

Häufig gestellte Fragen

 

Was ist IncidentShare für Notrufzentralen?

IncidentShare überträgt verschlüsselte Echtzeit-Videobilder von Einsatzorten an Disponenten und Einsatzleiter. Es bündelt Bildmaterial von Anrufern, Bodycams, Drohnen und Fahrzeugkameras zu einem einheitlichen Lagebild, auf das nur autorisiertes Personal Zugriff hat.

Was ist „Drone as a First Responder“ (DFR) und in welchem Zusammenhang steht dies mit IncidentShare?

DFR bezeichnet die Vorgehensweise, eine Drohne sofort nach Bestätigung eines Notrufs zum Einsatzort zu entsenden, anstatt sie erst später als spezialisierte Ressource anzufordern. In IncidentShare fügt sich dies nahtlos in den bestehenden Arbeitsablauf ein: Sobald das Video eines Anrufers eingeht, kann der Dispatcher eine Drohne an denselben Ort schicken, um einen Überblick aus der Vogelperspektive zu erhalten, und dieses Bild zusammen mit dem Video des Anrufers betrachten, um sich ein umfassendes Bild von der Lage und ein Situationsbewusstsein zu verschaffen, noch bevor ein Einsatzteam eintrifft.

Wie unterstützt die Videointegration in der Leitstelle den behördenübergreifenden Einsatz?

Sie ermöglicht es mehreren Behörden, gleichzeitig auf denselben Live-Videostream zuzugreifen, wodurch parallele, funkgestützte Informationsketten durch ein gemeinsames Lagebild ersetzt werden. Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizeileitung können dieselbe Szene in Echtzeit sehen und sich auf einer gemeinsamen Grundlage abstimmen.

Welche Sicherheitsstandards gelten für Videosysteme in Notrufzentralen?

End-to-End-Verschlüsselung, rollenbasierte Zugriffskontrolle, Einhaltung der DSGVO für europäische Dienste und ISO 27001-Zertifizierung für das Informationssicherheitsmanagement. Die Datenspeicherung innerhalb der EU ist eine praktische Anforderung für die meisten Organisationen der öffentlichen Sicherheit, die im Rahmen nationaler Datenschutzbestimmungen arbeiten.

Können Live-Videos von Anrufern auch ohne Smartphone-App in die Leitstelle gelangen?

Ja. VideoLink von IncidentShare sendet dem Anrufer einen SMS-Link. Er tippt auf den Link, stimmt der Freigabe seiner Kamera zu, und der Live-Feed erreicht den Disponenten innerhalb von Sekunden. Auf Seiten des Anrufers ist kein App-Download erforderlich.

Wie wirken sich Live-Videos auf den Ausgang von Vorfällen aus?

Bei Vestre Viken hat die Live-Video-Konsultation in fast der Hälfte der Fälle die klinische Beurteilung und in fast 30 Prozent der Fälle die Behandlung verändert. Die Feuerwehr von Groß-Kopenhagen nutzt seit 2010 Live-Videos von mehr als 20 integrierten Kameras, um die Einsatzleitung bei Großereignissen zu unterstützen.

Um zu erfahren, wie IncidentShare den Leitstellenbetrieb unterstützt, vereinbaren Sie eine Demo mit dem Bliksund-Team.

Weitere Informationen zu Videokommunikationsstandards im Rettungsdienst finden Sie in den von der EENA veröffentlichten Leitlinien zur Technologie in Notrufzentralen.